Grundschule | 6–10 Jahre

Die Montessori-Grundschule in Schweinfurt

Das Prinzip der Jahrgangsmischung

Die Montessori-Grundschüler werden in insgesamt acht jahrgangsgemischten Klassen unterrichtet – Klasse 1–4 a bis h. So sind in jeder Klasse etwa 6 Schüler aus jedem Jahrgang vertreten. Wenn am Ende des Schuljahres die sechs Viertklässler die Grundschule verlassen, kommen sechs neue Erstklässler in ein stabiles Klassengefüge. So wie im Kindergarten und im Studium lernen Ältere und Jüngere gemeinsam. Dabei können die Kleinen von den Großen lernen, die Älteren nehmen Rücksicht auf die Jüngeren, sind Vorbild, Freund, Tröster und Helfer. Die Jahrgangsmischung bringt enorme Vorteile für das Sozialgefüge in einer Klasse.

Unabhängig von der Jahrgangsmischung gibt es jedoch einzelne Fächer, wie beispielsweise Englisch, in denen sich alle Schüler eines Jahrgangs treffen, um gemeinsam auf bereits Erlerntem aufzubauen.

Vom Greifen zum Begreifen

Maria Montessori war überzeugt davon, dass der Zugang zum kindlichen Denken nicht auf abstraktem Wege, sondern grundsätzlich über die Sinne des Kindes erfolgen muss. Greifen und Begreifen sind für sie im Lernprozess untrennbar miteinander verbunden. Im Laufe ihres Lebens hat sie viele Arbeitsmaterialien entwickelt, mit denen ihre pädagogischen Grundsätze auch ganz konkret „in die Tat“ umgesetzt werden können. Dieses Montessori-Material teilt sich in verschiedene Material-Gruppen, darunter Sinnesmaterial, Mathematikmaterial, Übungen des Praktischen Lebens und Sprachmaterial.

Die Lernmaterialien werden meist in der Freiarbeit angeboten: Die Kinder wählen sich das Material, mit dem sie arbeiten möchten, selbst aus und können sich in vielen Fällen auch selbst kontrollieren. So erfahren sie aktiv ihre Fähigkeiten – und auch ihre Grenzen. Die Materialien sind deshalb für Maria Montessori der „Schlüssel zur Welt“.

Individuelles Bestimmen von Lerninhalt und Lerntempo

In Übereinstimmung mit neuesten Erkenntnissen gelangte Maria Montessori bereits vor mehr als einem halben Jahrhundert zu der Gewissheit, dass echter Lernerfolg nur dann von Dauer und von bildender Wirkung ist, wenn das Kind durch aktives Handeln und gemäß seiner sensiblen Phasen Lerninhalt, Lerntempo und Lernverfahren selbst bestimmen kann.

Die Klassenzimmer als "vorbereitete Umgebung" bietet den Kindern das o.g. Material an, mit dem sie ihre Lernfortschritte individuell und selbständig gehen können. Hier haben die Kinder die freie Wahl der Arbeit. So erarbeitet sich beispielsweise ein Erstklässler gerade die Druckbuchstaben, während sein Nachbar in eine schwierige Textaufgabe vertieft ist. Klar, dass hier Konzentration und Ruhe angesagt ist. Wer Schwierigkeiten hat, sich auf seine Aufgabe zu besinnen, dem bieten sich Ausweichräume an. Die Freiarbeit erfordert von den Kindern ein hohes Maß ein Disziplin, dies müssen viele Kinder erst lernen. Hier helfen und unterstützen neben Lehrern und Assistenzkräften auch die älteren Mitschüler.

Das 2-Pädagogen-System

Alle Grundschulklassen werden im Team geleitet. Jeweils eine Lehrkraft und eine pädagogische Assistenzkraft (in den Ganztagsklassen zwei Assistenzkräfte) sind gemeinsam für eine Klasse zuständig. Zusätzlich übernehmen Fachlehrer einzelne Unterrichtsbereiche wie Sport, Englisch, Kunst, Musik oder. Im Sinne Maria Montessoris sind unsere Erzieher in erster Linie Beobachter und Helfer, deren Hauptaufgabe darin liegt, die Lernprozesse des Kindes zu begleiten und zu unterstützen. Sie wissen, welche Lernziele und -erfolge jedes einzelne Kind erreicht hat und auf welchen Gebieten Förder- und Übungsbedarf besteht. Die Betreuung durch zwei Pädagogen gewährleistet eine fundierte Begleitung der Kinder in ihrer Arbeit. Während der Klassenlehrer ein Kind in neues Material einführt, ist die Assistenzkraft Anprechpartner für die übrigen Kinder – oder umgekehrt. Lehrer und Assistenzkraft stehen in ständigem Austausch über die Persönlichkeit und den Lernstand aller Schüler der Klasse.

Der Bayerische Lehrplan PLUS

Die Bayerischen Leitlinien für die Bildung und Erziehung von Kindern bis zum Ende der Grundschulzeit sind im Lehrplan PLUS der Grundschule verankert. Ebenso wie die staatlichen Schule unterliegt auch die Montessori-Schule als "staatlich genehmigte Schule" dem bayerischen Lehrplan. Dieser Lehrplan (http://www.lehrplanplus.bayern.de/schulart/grundschule) ist nicht jahrgangs-, sondern kompetenzorientiert, ebenso wie die Montessori-Pädagogik. Das heißt, die geforderten Kompetenzen müssen nicht Monat für Monat abgearbeitet und abgeprüft werden, sondern sollen am Ende der Grundschulzeit erreicht sein.

Da jedes Kind ein eigenes Individuum mit all seinen Stärken und Schwächen ist, werden einige Kinder in ihrer Grundschulzeit weit mehr Kompetenzen aufweisen, als im Lehrplan PLUS angedacht sind. Andere wiederum, insbesondere im Hinblick auf Inklusion, werden nur einige der erwarteten Kompetenzen erfüllen können.